Das bewirken Schulden in unserem Kopf

V iele Senioren denken konservativ. Geld wird nur dann ausgegeben, wenn es im Strumpf oder unter der Matratze liegt. Kreditkarten werden abgelehnt, denn schließlich impliziert das Wort „Kredit“ schon, von Geld zu leben, was einem nicht gehört. Diese Ansicht ist legitim, aller Ehren wert und weit verbreitet. Doch auch eine andere Sichtweise ist berechtigt. Mit dem Eintritt ins Rentenalter ist nicht selten vom „dritten Lebensabschnitt“ die Rede - und wie lässt sich dieser besser genießen als mit einer kleinen Finanzspritze.

Auch wenn es ein wenig Wortklauberei ist, so geht es nicht darum, das Ende des dritten Lebensabschnittes zu erwarten, sondern vielmehr soll Genuss und Lebensfreude Kennzeichen des Ruhestandes sein - und das bedeutet auch, sich etwas leisten zu können. Resignation in Anbetracht dessen, dass nun erst einmal jahrelang gespart werden müsste, um sich die heiß ersehnte Reise oder die technische Aufrüstung mit einem tollen Fernsehgerät leisten zu können, macht sich breit.

Und nun steht die Entscheidung an: Sollen die jahrzehntelang fest verwurzelten Denkanstöße nun im Ruhestand ad acta gelegt werden? Die Entscheidung liegt letztlich bei jedem selbst - und ist auch darin begründet, wie realistisch es ist, den Kredit zuverlässig zurückzuzahlen. Niemand fordert die Rentner auf, im Alter einen Kredit aufzunehmen, aber die Option besteht, sich Geld temporär zu leihen, um Träume zu verwirklichen.

Lebensfreude im Alter

Abbildung 1: Wer mit seinem Partner gemeinsam das Rentenalter erreicht, möchte sich auch etwas leisten können. Viele starten in den „dritten Lebensabschnitt“ mit einer Reise - und besichtigen Skulpturen wie hier im Bild.

Was bedeuten Schulden für die Psyche?


Während die jüngere Generation mit der Option, auf Raten zu zahlen, regelrecht aufwächst, so kennen das die Senioren von heute noch kaum bzw. wurden erst im Laufe des „zweiten Lebensabschnittes“ damit konfrontiert, nicht nur Immobilien und Autos per Kredit zu finanzieren, sondern auch andere Güter mit geliehenem Geld zu bezahlen. Grund genug, einmal zu beleuchten, was der Gedanke daran, Schulden zu haben auslöst. Der Psychologe Georg Felser erklärt in der Welt unterschiedliche Ausprägungen der Zahlungsmoral.

Letztlich sei es eine reine Interpretationssache: „Wer es also als Verlust sieht, eine Rechnung zu begleichen oder Schulden zu tilgen, weil das ein Loch in seine Kasse reißt, wird sich mit dem Bezahlen schwer tun. Dabei lässt sich die Situation natürlich auch anders herum interpretieren: Mit den Schulden ist der Verlust längst gemacht, und durch die Tilgung wird er abgemildert.“ Und daraus lässt sich folgern, dass das Aufnehmen eines Kredits durchaus auch emotional als legitim begriffen werden kann - wenn nur die Rückzahlung auch fester Bestandteil der Überlegungen ist.

Auch wird im Interview deutlich, warum ein privater Kredit bei einem Bekannten keine Alternative darstellt. Georg Felser beschreibt, dass der Druck stark ansteigen würde, denn die persönliche Schuld wiege mehr. Darüber hinaus werde vermehrt auch das Bedürfnis deutlich, Schulden schnell zu bereinigen. „Need for Closure“ sei dafür der in der Literatur gängige Fachbegriff. So kann auch die ältere Generation aufatmen - und die Angst davor begraben in die unkontrollierte Schuldenfalle zu tappen.

Kredit ja - Schuldenfalle nein


Das auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aktuell diskutierte Thema zeigt dies auf sehr drastische Art und Weise. Dabei sprechen erhobene Zahlen für sich, denn das Phänomen der Altersarmut ist bestätigt. Doch das Thema hat auch eine andere Seite: Nicht jede Kreditaufnahme muss in die Schuldenfalle führen, wenn realistisch abzuschätzen ist, dass das aufgenommen Geld auch wieder zurückgezahlt werden kann.


Schuldenfalle im Alter

Abbildung 2: Niemand kann sagen, was die Zukunft bringt, doch mit ein paar simplen Tipps wird eine Kreditaufnahme nicht zur Schuldenfalle - sondern zur Möglichkeit, unerfüllte Träume zu erfüllen.




Wer die folgenden Tipps berücksichtigt, kann sich mit per Kreditaufnahme geliehenem Geld Träume erfüllen, ohne anschließend unter Alpträumen leiden zu müssen.






  • 1. Kassensturz: Wie viel Geld kann ich monatlich sicher zurückzahlen? Sinnvoll ist es, mit einem gewissen Puffer zu kalkulieren, denn wer zum Zurückzahlen eines Kredits sich monatlich zu stark einschränken muss, bei dem steigt das Risiko, einen nächsten Kredit aufzunehmen, um sich wieder etwas leisten zu können.


  • 2. Fokus: Wichtig ist, nicht einen Kredit aufzunehmen, um sich „etwas“ leisten zu können, sondern ein Produkt, eine Dienstleistung oder das Wunschobjekt so genau in den Fokus zu rücken, dass der Kredit auch exakt dafür kalkuliert werden kann. Wer ohne Ziel Geld aufnimmt, wird dieses schnell verbrauchen - ohne wirklich etwas davon zu haben. Üblicherweise wird Geld für die Finanzierung von Anschaffungen, einem Auto, einer Wohnung oder eines Urlaubs aufgenommen.


  • 3. Versicherungen: Werden eventuell kapitalbildende Versicherungen in Kürze zuteilungsreif, so dass die Rückzahlung des Kredites darüber gewährleistet werden kann? Ein Check der Versicherungspolicen kann helfen.


  • 4. Sparwille: Dieser Tipp appelliert letztlich auch an den Geist, denn wer bereits im „zweiten Lebensalter“ per Sparmaßnahmen erreicht hat, dass Wünsche erfüllt werden konnten, der kann auch im Ruhestand den ein oder anderen Groschen zurücklegen, um den Urlaub oder die neue technische Ausstattung zu zahlen. Ein Kredit ermöglicht dann nur noch, das gewünschte Produkt früher zu erhalten, als erst nach der privaten Ansparphase.


  • 5. Einsparpotential: Mit dem Sprung in den Ruhestand ist es an der Zeit, einmal die monatlichen Belastungen auf den Prüfstand zu stellen. Versicherungen müssen auf den neuen Status Quo umgestellt werden oder werden gar überflüssig, da der Leistungsfall nur für das berufliche Leben zugeschnitten ist. Auch Kontoführungsgebühren können gegebenenfalls eingespart werden, so dass allein von der Summe des Eingesparten schon die Kreditrate getilgt werden kann. Dabei stellt sich auch die Frage, welche Kontoform gepflegt wird - und welche eine Alternative sein könnte. Die gängigsten Formen sind sicherlich das Einzelkonto und sein Pendant, das Gemeinschaftskonto, welche in der folgenden Tabelle kurz verglichen werden sollen:


EinzelkontoEin Einzelkonto ist ein ganz traditionelles Bankkonto, das auf den Namen einer Person läuft. Möchte eine zweite Person aktiv ins Kontogeschehen eingreifen, muss eine Vollmacht ausgestellt werden. Der Kontoinhaber muss dann auch für etwaige Darlehensforderungen gerade stehen.
GemeinschaftskontoBeim Gemeinschaftskonto haben beide Verfügungsberechtigten dieselben Rechte. Ein Gemeinschaftskonto ist aber nicht nur eine Option, um Kontoführungsgebühren zu sparen, sondern es ist auch sinnvoll, um als Paar gleichberechtigt über das gemeinsame Geld zu verfügen. So entfällt die Notwendigkeit von Vollmachten, wenn beispielsweise ein Partner kurzfristig ins Krankenhaus muss, was gerade auch im Seniorenalter immer einkalkuliert werden muss. Die Konditionen verschiedener Gemeinschaftskonten können bereits im Netz nachgelesen werden. Gemeinschaftskonten sind als sogenannte „Und-Konten“ oder „Oder-Konten“ zu führen. Der Unterschied liegt darin, dass beim Und-Konto nur gemeinschaftlich agiert werden kann, beim Oder-Konto hat jeder Kontoinhaber eine Verfügungsbefugnis.


Bildquellen:

Abbildung 1: pixabay.com © karlinimrie0 (CC0 Public Domain)
Abbildung 2: pixabay.com © art250 (CC0 Public Domain)


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